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Stellungnahmen (Auswahl)
11.03.2017, 10:50 Uhr
 
Mitwirkung am Konzept zur Bereitstellung öffentlicher Toiletten im Land Berlin
Die Landesseniorenvertretung Berlin (LSV) hat am Konzept zur Bereitstellung öffentlicher Toiletten im Land Berlin mitgewirkt.
Der LSV hat all seinen Mitgliedern - er wird von den Vorsitzenden der bezirklichen Seniorenvertretungen gebildet - die Fragen der Zebralog GmbH & Co. KG zur Beantwortung zur Verfügung gestellt. Zugleich wurde dort um Verständnis geworben, dass aufgrund der momentanen zeitlichen Herausforderungen in Folge der Seniorenwahl 2017, nicht alle Seniorenvertretungen antworten und die jeweiligen Unterschiede bei der Versorgung mit öffentlichen Toiletten in den zwölf Berliner Bezirken darstellen werden. Das ist auch ein Grund, warum auch der LSV nur auf einen Teil der Fragen eingegangen ist. Das Thema wird jedoch dem neuen LSV übergeben, so dass die Entwicklung weiterhin kritisch begleitet wird.

Aus unserer Perspektive ist das größte Problem in Berlin bei der Versorgung mit öffentlichen Toiletten: Die Zahl der Berliner*innen steigt, die Zahl der Touristen steigt, nur die Zahl der öffentlichen Toiletten in Berlin bleibt gleich oder wird sogar reduziert, wie es momentan in den Berliner Rathäusern befürchtet wird. Einige Berliner Bezirke informieren im Internet oder mit Broschüren, wo bei Bedarf die Notdurft verrichtet werden kann, und bitten darüber hinaus öffentliche
Einrichtungen, Krankenhäuser, Seniorenheime um Bereitschaft, Toiletten öffentlich zugänglich zu machen. Das ist ein Weg. Doch eine flächendeckende Versorgung mit barrierefreien Bedürfnisanstalten ist keine Frage des guten Willens, sondern verlässlich notwendig.

Anreize müssen geschaffen werden, damit die Vorgenannten aber auch Gastronomen und Ladenbesitzer ihre Toiletten zur Verfügung stellen und das auch intensiv im Stadtbild oder im Eingangsbereich bewerben. Mit der in der letzten Legislaturperiode geänderten Bauordnung wird zwar auferlegt bei Neubauten ab 400 Quadratmetern eine öffentliche Toilette im Supermarkt und anderen Einrichtungen vorzuhalten, aber bezüglich Nachrüstung ist nichts geregelt worden. Nicht nur ein Appell an die großen Einzelhandelsunternehmen, sondern auch die Verpflichtung zum Umbau ist notwendig.

Wer nicht für genügend Toiletten sorgt, verursacht mit, dass ältere Menschen nicht ausreichend trinken oder gar ganz zu Hause bleiben, um nicht in Verlegenheit zu kommen. Gerade für ältere Menschen kann ein Bedürfnis schnell zum Bedrängnis werden.

Alle sechs Schwerpunktthemen Wirtschaftlichkeit, Gestalterische Qualität, Sicherheit, Inklusion, Hygiene und Umweltfreundlichkeit betreffen ältere Menschen und sind gleichrangig zu bewerten.

Ein mindestens 2-jähriges Moratorium sollte zunächst den zuverlässigen Betrieb der inklusiven, barrierefreien und von allen Nutzer*innen akzeptierten öffentlichen selbstreinigenden Unisextoiletten über den 31.12.2018 hinaus gewährleisten. Dieses Moratorium sollte dazu genutzt werden, den langjährigen Erfolg des bisherigen Betreibers, mit dem von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in der letzten Legislaturperiode verfolgten Ziel für das Land Berlin, für mehr Transparenz von Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit Werberechten zu sorgen, zu verbinden. Der Betreiber zeichnet sich aus durch eine für den öffentlichen Raum beispiellosen Zuverlässigkeit und Qualität, durchgängige Betriebsbereitschaft und Verfügbarkeit. Zudem müssen berlinweit Standorte (Innen- und Außenbezirke) definiert werden, die mit WC-Anlagen nachzurüsten sind.

Die Benutzung einer öffentlichen Toilette sollte sowohl kostenpflichtig oder gratis möglich sein. Beide Varianten müssen offensiv kommuniziert werden. Z. B. auf einem Aktivplatz - wo heute meist öffentliche Toiletten fehlen -  haben die Nutzer*innen aufgrund der Bewegungsangebote kein Geld dabei. Wall-Toiletten sind z. T. für ältere Menschen zu kostenintensiv.

Den standortabhängig varrierenden Nutzungsraten könnte mit dem Projekt "Nette Toilette" begegnet werden. Eine flächendeckende Versorgung könnte erreicht werden, wenn dabei nicht nur Gastronomie, sondern auch im Einzelhandel, in öffentlichen Gebäuden und in den Verkehrsbetrieben WCs öffentlich genutzt werden können.

Öffentliche Toiletten müssen funktional und sicher gestaltet werden. Sie müssen Thema für Stadtplaner und Architekten bei jedem Projekt von Beginn an werden (Standorte-Suche, Quantifizierung (auch künftiger) Bedarf und Nutzergruppen, Beachtung kultureller Aspekte, Umfeldgestaltung). Das gilt auch für die Nachrüstung.

WC-Anlagen müssen sich durch eine ausreichende Beleuchtung, leistungsfähige Lüftung und vor allem ausreichende Größe des Raumes/der WC-Kabine auszeichnen. Nicht zu vergessen sind Platz für Rollatoren, Rollstühle, Pflege- und Begleitpersonen sowie Ablageflächen für Schirme, Taschen, Koffer, Rucksäcke, Gehhilfen, Mantel, Kopfbedeckung etc..

Die Kennzeichnung sollte durch einheitliches, stadtweites Symbol erfolgen, das kulturübergreifend verständlich ist. Zudem sollte es einen digitalen WC-Führer unter berlin.de geben. Kennzeichnung sollte behindertengerecht/familiengerecht oder nicht unterscheiden. Wenn die WC-Anlage nicht behindertengerecht/familiengerecht ist, sollte dort eine Hinweistafel auf die nächst gelegene behindertengerecht/familiengerecht ausgestattete Toilettenanlage verweisen (sollte nur für eine Übergangsphase gelten, damit schnell mehr vorhandene WC-Anlagen z. B. in der Gastronomie sofort genutzt werden können).

Für einen sicheren Toilettenbesuch ist u. a. wichtig: automatische Türen öffnen sich wieder; einfache Zugangswege (von allen Seiten gut auffindbar); oberirdische Aufstellung; Verwendung vandalismushemmender Materialien bei der Ausstattung; ansprechendes Beleuchtungs- und Farbkonzept, regelmäßige Kontrollen.

Öffentliche WC sind kein Thema einer bestimmten Interessensgruppe, sondern wichtig für Jung bis Alt mit Hauptwohnsitz in Berlin oder in der Hauptstadt zu Gast.

Vision der öffentlichen Toiletten in Berlin in zwei Sätzen: "Wer muss, kann - ohne lange Suche nach einem WC. Berlin als Stadt, wo Bewohner*innen und Gäste zu Hause sind."